Pressemitteilung einiger Menschen aus dem Flüchtlingslager Breitenworbis

Isolationslager Breitenworbis Thüringen

Ge­flüch­te­te Men­schen aus dem Iso­la­ti­ons­la­ger in Brei­ten­wor­bis wol­len nicht mehr so wei­ter leben. Des­halb haben sie ge­mein­sam mit Un­ter­stüt­zer_in­nen fol­gen­den Text for­mu­liert und an Me­di­en, Grup­pen und und Ein­zel­per­so­nen ver­sandt.

 

 

 

Haupt­sa­che hier weg!
Flücht­lin­ge aus Brei­ten­wor­bis wol­len Lager schlie­ßen.

Ein ein­zel­nes Haus 2 km von der nächs­ten Ort­schaft mit Ge­schäft und Bus­hal­te­stel­le ent­fernt; ne­ben­an eine stin­ken­de Mast­an­la­ge und of­fe­ne Gül­le­be­häl­ter; 20 Stun­den kal­tes Was­ser täg­lich; Bus­an­bin­dung nach Hei­li­gen­stadt nur drei­mal am Tag; meh­re­re Men­schen leben in einem Zim­mer; 40 Men­schen und nur eine Küche und sechs Toi­let­ten pro Etage.

„Am schlimms­ten ist es, den gan­zen Tag nichts zu tun und kei­nen Kon­takt zu an­de­ren Men­schen zu haben.“ so sagt Ali Na­ji­mi. Hinzu kommt bei allen noch die un­ge­wis­se Zu­kunft, das War­ten auf die Be­ar­bei­tung ihres Asyl­an­trags und die Angst vor Ab­schie­bung. Viele im Lager le­ben­den Men­schen haben psy­chi­sche Pro­ble­me und kämp­fen mit De­pres­sio­nen.

Be­son­ders be­trof­fen von der Iso­la­ti­on und den schlech­ten Be­din­gun­gen im Lager sind Müt­ter und kran­ke Men­schen. Die wei­ten Wege zum Arzt, Kin­der­gar­ten, Schu­le und zum Su­per­markt sind oft nicht zu be­wäl­ti­gen. Da Du­schen nur im Kel­ler des Hau­ses vor­han­den sind, kann eine Frau mit Geh­be­schwer­den die­sen Weg nicht al­lein zu­rück­le­gen.

Au­ßer­dem sind die Du­sch­räu­me und Kü­chen in einem sehr schlech­ten Zu­stand. Die Öfen funk­tio­nie­ren nur in einer Etage, dort müs­sen also alle Men­schen aus dem Lager ko­chen. Es gibt Un­ge­zie­fer und Mäuse und die hy­gie­ni­schen Be­din­gun­gen sind so schlecht, dass man­che Men­schen Aus­schlag be­kom­men, wenn sie das Ba­de­zim­mer nut­zen.

Die ärzt­li­che Ver­sor­gung ist völ­lig un­zu­rei­chend. „Egal was man hat, ob Hus­ten, Krebs oder De­pres­si­on, egal ob Er­wach­se­ne oder Kind, immer wird man zu dem glei­chen Arzt ge­schickt und immer be­kommt man die glei­chen Me­di­ka­men­te.“ so Mo­ham­med Zabur Qa­du­si.

Nach­dem ei­ni­ge der Be­woh­ne­rIn­nen gegen diese Ver­hält­nis­se de­mons­trier­ten und sich offen in der Pres­se äu­ßer­ten, lud die Aus­län­der­be­auf­trag­te Frau Trä­ger ei­ni­ge der Pro­tes­tie­ren­den zu einem Ge­spräch. Ihr An­ge­bot, ei­ni­gen der Ak­ti­ven mit einer Um­ver­tei­lung ent­ge­gen­zu­kom­men, lehn­ten diese ab. Ihr Ziel ist eine Ver­bes­se­rung für alle. Wäh­rend des Ge­sprächs warf sie einem der Flücht­lin­ge vor, mit sei­nem Te­le­fon Auf­nah­men zu ma­chen und droh­te ihm im Falle von Ver­öf­fent­li­chung mit der Ab­schie­bung, so seine Schil­de­rung. Zudem sei an­de­ren auf die Nach­fra­ge hin, warum bloß ei­ni­ge Per­so­nen mo­nat­li­che Arzt­ter­mi­ne und Kin­der­gar­ten­plät­ze für ihre Kin­der be­kä­men, ge­ant­wor­tet wor­den: Weil diese nicht de­mons­trie­ren und mit der Pres­se spre­chen.

Weil ver­schie­dens­te Ver­su­che, exis­tie­ren­de Pro­ble­me an­zu­spre­chen, nicht wei­ter­führ­ten, wol­len die Flücht­lin­ge jetzt selbst aktiv wer­den, ihre Iso­la­ti­on durch­bre­chen und das Lager schlie­ßen. Es gibt für sie dazu keine Al­ter­na­ti­ve, denn sie wol­len in einer ei­ge­nen Woh­nung selbst­be­stimmt in der Ge­sell­schaft leben.

Frau­en­du­sch­raum im Kel­ler:

Isolationslager Breitenworbis Thüringen Frauenduschraum

Isolationslager Breitenworbis Thüringen Frauenduschraum

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